Der Launch ist kein einzelner Klick. Vor der Veröffentlichung müssen Inhalte, Funktionen, Zugänge, Weiterleitungen und Messung zusammenpassen. Ein guter Go-live-Prozess verteilt Verantwortung, definiert Rückfallmöglichkeiten und plant Kontrollen nach dem Start.
Diese Checkliste eignet sich für neue Websites und Relaunches. Bei einem Relaunch kommen bestehende URLs, Suchzugriffe und externe Verknüpfungen hinzu – und damit ein deutlich höheres Migrationsrisiko.
1. Umfang und Verantwortlichkeiten festlegen
Vor dem letzten Test steht fest:
- welche Seiten und Funktionen zum Launch gehören,
- welche Punkte bewusst später folgen,
- wer Inhalte final freigibt,
- wer technische Änderungen ausführt,
- wer Domain und DNS kontrolliert,
- wer nach dem Launch erreichbar ist,
- wann ein Abbruch oder Rollback erfolgt.
Offene Punkte werden dokumentiert und priorisiert. „Später verbessern“ darf nicht bedeuten, dass fehlerhafte Formulare, Platzhaltertexte oder rechtlich notwendige Seiten trotzdem live gehen.
2. Inhalte vollständig prüfen
Lesen Sie die Website nicht nur im Redaktionsdokument, sondern im tatsächlichen Layout. Prüfen Sie:
- eine eindeutige Hauptüberschrift pro Seite,
- korrekte Namen, Daten, Preise und Kontaktangaben,
- verständliche Zwischenüberschriften,
- passende CTAs,
- konsistente Ansprache,
- funktionierende interne und externe Links,
- korrekte Downloads,
- Bildunterschriften und Alternativtexte,
- keine Blind- oder Platzhaltertexte,
- Freigaben für Bilder, Logos und Kundenstimmen.
Sensible fachliche oder rechtliche Aussagen benötigen die zuständige Freigabe. Auch Impressum, Datenschutz und gegebenenfalls Einwilligungsprozesse müssen zum tatsächlichen Betrieb passen.
3. Responsive Darstellung testen
Testen Sie reale Seiten auf mehreren Bildschirmgrößen und Geräten. Wichtige Punkte:
- keine horizontalen Scrollbalken,
- lesbare Schriftgrößen und Zeilenlängen,
- passende Bildausschnitte,
- ausreichend große Berührungsflächen,
- keine verdeckten Inhalte durch feste Elemente,
- bedienbare Menüs und Dialoge,
- Tabellen und Vergleiche auf kleinen Displays,
- stabile Ansicht bei geöffneter Bildschirmtastatur.
Nur den Browser schmal zu ziehen reicht nicht. Mobile Geräte verhalten sich bei Touch, Tastatur, Browserleisten und Leistung anders.
4. Formulare und Nutzerwege vollständig durchführen
Füllen Sie jedes Formular wie ein echter Besucher aus:
- korrekte Eingabe
- fehlende Pflichtangaben
- falsches Format
- Absenden auf Mobilgerät
- Ladezustand
- Erfolgsbestätigung
- E-Mail-Zustellung
- interne Weiterverarbeitung
Testen Sie Terminbuchungen, Telefonnummern, E-Mail-Links, Downloads, Newsletter und externe Übergaben. Die sichtbare Bestätigung allein beweist nicht, dass eine Anfrage beim richtigen Empfänger ankommt.

5. Barrierefreiheit kontrollieren
Vor dem Launch sollten zentrale Seiten und Abläufe mindestens geprüft werden auf:
- vollständige Tastaturbedienung,
- sichtbaren Fokus,
- logische Überschriftenstruktur,
- ausreichende Kontraste,
- sinnvolle Alt-Texte,
- beschriftete Formularfelder,
- verständliche Fehlermeldungen,
- Vergrößerung und Umbruch,
- reduzierte Bewegung,
- korrekte Spracheinstellungen.
Automatische Tests ergänzen, aber ersetzen keine manuelle Prüfung. Besonders Navigation, Kontakt und zentrale Leistungen verdienen einen vollständigen Durchgang.
6. Performance messen
Prüfen Sie nicht nur die Startseite. Testen Sie bildreiche Referenzen, lange Ratgebertexte, Formulare und eingebettete Dienste.
Kontrollieren Sie:
- optimierte Bildgrößen und Formate,
- priorisiertes Titelbild,
- verzögertes Laden später Medien,
- begrenzte Schriftdateien,
- unnötiges JavaScript,
- Layoutverschiebungen,
- Serverantwort und Caching,
- reale mobile Leistung.
Performanceprobleme sollten vor bezahlten Kampagnen gelöst werden. Zusätzlicher Traffic verstärkt keine langsame Website – er macht den Verlust nur teurer.
7. SEO-Grundlagen überprüfen
Jede indexierbare Seite benötigt:
- individuellen Seitentitel,
- passende Meta-Beschreibung,
- sprechende URL,
- eindeutige Hauptüberschrift,
- indexierbaren Inhalt,
- Canonical-Angabe,
- interne Verlinkung,
- korrekten HTTP-Status.
Die technischen Mindestanforderungen von Google nennen unter anderem: Googlebot darf nicht blockiert sein, die Seite sollte erfolgreich antworten und indexierbare Inhalte besitzen. Indexierung bleibt trotzdem nicht garantiert.
Entfernen Sie vor dem öffentlichen Start unbeabsichtigte noindex-Angaben, Passwortschutz und blockierende Regeln. Reine Entwicklungs- oder Vorschauseiten bleiben dagegen geschützt.
8. Sitemap, robots.txt und strukturierte Daten
Prüfen Sie:
- Sitemap enthält nur gewünschte kanonische URLs,
- Sitemap verwendet die endgültige Domain,
- robots.txt blockiert keine wichtigen Ressourcen,
- strukturierte Daten passen zum sichtbaren Inhalt,
- Test- und Vorschauadressen fehlen,
- veraltete URLs werden nicht neu eingereicht.
Eine Sitemap hilft Suchmaschinen beim Entdecken, garantiert aber keine Indexierung. Nach dem Start kann sie in der Search Console eingereicht und beobachtet werden.
9. Weiterleitungen beim Relaunch
Erstellen Sie vor dem Launch eine Zuordnung jeder wichtigen alten URL zur passendsten neuen Adresse. Dauerhaft entfernte Inhalte erhalten einen korrekten Status oder eine fachlich passende Weiterleitung.
Google empfiehlt in seiner aktuellen Dokumentation zu Website-Umzügen, Weiterleitungen, Canonicals, interne Links und Sitemap koordiniert umzustellen. Viele alte Seiten pauschal zur Startseite zu leiten, kann Nutzer verwirren und als Soft-404 behandelt werden.
Prüfen Sie nach der Veröffentlichung:
- alte URLs antworten korrekt,
- keine Weiterleitungsketten entstehen,
- interne Links zeigen direkt auf neue Ziele,
- wichtige externe Kampagnenlinks sind aktualisiert,
- PDFs und Bilder bleiben erreichbar oder umgeleitet.

10. Domain, DNS und HTTPS vorbereiten
Dokumentieren Sie vor Änderungen den aktuellen DNS-Stand. Prüfen Sie, welche Einträge Website, E-Mail und externe Dienste betreffen. Eine Website-Umstellung darf Postfächer nicht unbeabsichtigt unterbrechen.
Zum Launch gehören:
- endgültige Domain und Hauptvariante,
- HTTPS-Zertifikat,
- Weiterleitung von HTTP,
- Weiterleitung weiterer Domainvarianten,
- korrekte E-Mail-DNS-Einträge,
- gültige Wiederherstellungszugänge,
- erreichbarer Hosting-Support.
DNS-Änderungen werden möglichst zu einer Zeit mit geringerem Geschäftsrisiko durchgeführt.
11. Analyse und Datenschutz abstimmen
Definieren Sie vorab, welche Handlungen wirklich gemessen werden sollen. Testen Sie:
- Seitenaufrufe oder datensparsame Alternativen,
- Formularabschlüsse,
- Telefon- und E-Mail-Handlungen,
- Terminbuchungen,
- Kampagnenparameter,
- interne Ausschlüsse,
- Einwilligungs- und Widerrufsverhalten, falls erforderlich.
Messung, Datenschutzerklärung und tatsächliche Dienste müssen zusammenpassen. Tracking darf nicht kurzfristig am Launch-Tag ohne Prüfung ergänzt werden.
12. Backup und Rückfallplan
Vor dem Go-live existiert eine vollständige Sicherung des alten und neuen Stands. Der Rückfallplan beantwortet:
- Welche Fehler stoppen den Launch?
- Wer entscheidet?
- Wie wird der vorherige Stand wiederhergestellt?
- Welche DNS- oder Datenänderungen müssen zurückgenommen werden?
- Wie werden zwischenzeitliche Formulareingaben behandelt?
Ein Rollback ist keine Niederlage, sondern Teil eines professionellen Risikomanagements.
Kontrollen direkt nach dem Launch
In der ersten Stunde
- Hauptdomain und HTTPS
- Startseite und zentrale Unterseiten
- Formulare und Buchungen
- Weiterleitungen
- Serverfehler
- Mobilansicht
Am ersten Tag
- Suchmaschinenzugriff und Sitemap
- Analyse und Conversions
- E-Mail-Zustellung
- Performance und Fehlerprotokolle
- Rückmeldungen aus dem Team
In der ersten Woche
- Indexierungsberichte
- 404-Fehler und alte Links
- reale Nutzerwege
- Kampagnenziele
- unerwartete Geräteprobleme
- offene redaktionelle Punkte
Ein Launch wird erst stabil, wenn die Website unter realer Nutzung beobachtet wurde.
Häufige Fehler
- unklare Zuständigkeiten
- letzte Inhaltsänderungen ohne erneuten Test
- Formulare nur optisch prüfen
- Vorschau-Sperren auf der Live-Seite
- fehlende URL-Zuordnung beim Relaunch
- DNS ohne dokumentierten Ausgangsstand ändern
- E-Mail-Einträge überschreiben
- kein aktuelles Backup
- Kampagnen sofort mit maximalem Budget starten
- nach dem Launch keine Zeit für Kontrolle reservieren
Kompakte Launch-Checkliste
- Inhalte und Freigaben vollständig
- Links, Downloads und Medien geprüft
- mobile Darstellung auf echten Geräten getestet
- Formulare bis zur internen Zustellung geprüft
- Tastatur, Kontrast und Alt-Texte kontrolliert
- Performance wichtiger Seitentypen gemessen
- Titel, URLs, Canonicals und Indexierung korrekt
- Sitemap, robots.txt und strukturierte Daten geprüft
- Weiterleitungen getestet
- Domain, DNS, HTTPS und E-Mail vorbereitet
- Analyse und Datenschutz abgestimmt
- Backup, Rollback und Nachkontrolle organisiert
Häufige Fragen
Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Website-Launch?
Wenn verantwortliche Personen und Support verfügbar sind und das Geschäftsrisiko gering ist. Ein Freitagabend ohne Betreuung ist selten ideal.
Muss die Website vor dem Launch perfekt sein?
Sie muss sicher, korrekt und für zentrale Aufgaben vollständig funktionieren. Kleine dokumentierte Verbesserungen können folgen; bekannte kritische Fehler nicht.
Wie lange dauert es, bis die Website bei Google erscheint?
Das lässt sich nicht garantieren. Eine zugängliche, indexierbare Website und eine eingereichte Sitemap unterstützen die Entdeckung; die Verarbeitung kann dennoch Zeit benötigen.
Kann man die alte Website sofort löschen?
Bei einem Relaunch sollte ein gesicherter alter Stand erhalten bleiben. Weiterleitungen und abhängige Dateien müssen langfristig funktionieren.
Wer sollte den Launch freigeben?
Eine benannte fachliche Person für Inhalte und eine technische Person für Funktion, Migration und Betrieb. Die endgültige Entscheidung sollte vorab geklärt sein.
Fazit: Ein guter Launch ist vorbereitet und beobachtet
Professionelle Veröffentlichung verbindet Inhalt, Technik, SEO, Barrierefreiheit und Betrieb. Checklisten reduzieren Fehler; klare Zuständigkeiten und ein Rückfallplan machen den Prozess beherrschbar. Die Kontrolle geht nach dem Start weiter.
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